Travel Thoughts

Smalltalk

Es gibt da dieses Phänomen – am häufigsten tritt es meinen Beobachtungen nach bei zwei Berufsgruppen auf: Frisöre und Taxifahrer.

Kaum ist man eingestiegen oder hat auf dem Drehstuhl Platz genommen beginnt das Schauspiel. Die ersten fünf Minuten folgen dabei noch einem strikten Ablaufplan, man äußert seine Wünsche oder gibt die Adresse an, sammelt sich, wühlt in der Handtasche oder versucht seine Arme unter dem endlos scheinenden Umhang hervor zu wühlen. Mit anderen Worten, beide Parteien sind mit sich selbst genug beschäftigt.

Doch kaum hat sich die erste Aufregung gelegt passiert das Unvermeidliche – der Smalltalk. Meistens von demjenigen der beide Protagonisten begonnen, der sich doch eigentlich auf seine Arbeit konzentrieren sollte. Obwohl ich schon ein kommunikativer Typ bin hat sich mir bisher nie erschlossen, welchen Sinn dieses erzwungene Bonding zweier zumeist völlig fremder Menschen haben soll. „Was machen Sie in Berlin?“, fragt mich zum Beispiel neulich der Fahrer keine fünf Minuten nachdem er sich in die Berliner Nacht eingefädelt hat. Er beginnt also mit dem Taxi Klassiker, als nächstes wird er mich fragen ob ich oft hier bin, was ich beruflich mache und wo ich herkomme (Stuttgart) und mir danach erklären, dass es in Berlin ja so wahnsinnig viele Schwaben hat. Am Ende der Taxifahrt weiß ich, dass mein Taxifahrer vier Kinder hat, seit 20 Jahren in Deutschland lebt, seine jüngste Tochter eine Hochzeit im Juni feiert und die Preise für die Fahrt glücklicherweise nach Kilometern und nicht nach Zeit berechnet werden.

Es gibt ja das Phänomen der peinlichen Stille, wenn Menschen sich partout nichts zu sagen haben. Meistens passiert das ja bei Menschen, die sich gerade erst kennenlernen. Ich möchte meine Taxifahrer aber meistens gar nicht näher kennenlernen und das nicht, weil ich grundunhöflich bin oder Misanthrop. Kann es da trotzdem diese peinliche Stille geben und ist das vielleicht der Grund, warum Menschen mit Smalltalk beginnen? Im Bus klebt immer ein Warnschild „Nicht mit dem Fahrer sprechen!“ , warum gibt es das beim Frisör nicht? Warum gibt es da diese unausgesprochene Pflicht vollkommene Belanglosigkeiten mit seinem Gegenüber zu teilen, die weder den einen, noch den anderen wirklich interessieren nur um des Sprechens Willen.

Am Flughafen in Tegel hält das Taxi.
„22 Euro bitte“, sagt mein Taxifahrer.
„Kann ich das mit Kreditkarte bezahlen?“
Echte peinliche Stille.
„Ich habe kein Gerät, das hätten Sie mal vorher sagen sollen!“

Manchmal lohnt sich Smalltalk vielleicht doch…

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